Was ist Hochsensibilität

Der Begriff Hochsensibilität (oder auch: Hochsensivität, im Englischen high sensitivity) wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron geprägt, die 1997 ihr erstes umfassendes Werk über dieses Thema, The Highly Sensitive Person, geschrieben hat. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Hochsensibilität (high sensitivity) wurde von ihr eingeleitet und ihre Werke gelten als der Grundstein der HS-Forschung.

Dennoch gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert Forschungen zum Thema „Der sensible Mensch“ und die Bücher von Dr. Carl Ludwig von Reichenbach (1858), Eduard Schweingruber (1945) und Prof. Wolfgang Klages (ca. 1960) zeugen davon, dass Hochsensibilität kein neuer Hype noch eine Modeerscheinung ist.

Hochsensibilität (Hochsensitivität) ist vielmehr ein angeborener Wesenszug mit dem Menschen stärker als der Bevölkerungsdurchschnitt auf Reize reagieren und diese viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten. Der wissenschaftliche Begriff „Sensory-Processing Sensitivity“ beschreibt sozusagen die „erhöhte Reizaufnahme und die damit verbundene erhöhte Reizverabeitung im Gehirn“.

Hochsensible Menschen haben nicht etwa bessere Sinnesorgane als andere, vielmehr geht es um die Art, wie sie die Reize der Umgebung verarbeiten. Und das beginnt mit dem Sehen, Riechen, Tasten, Schmecken und Hören (1).

Die erhöhte Empfindlichkeit für Details und Feinheiten beruht auf einem schwächeren Filter in der Wahrnehmung, ausserdem verfügt eine hochsensible Person auch über eine gesteigerte Wahrnehmung von Nuancen. Dieses Wahrnehmen kann sich grundsätzlich auf alle inneren und äusseren Reize beziehen. (2) Somit sind hochsensible Personen auch schneller einer Reizüberflutung ausgesetzt.

Als Elaine Aron ihre Forschungen begann, dachte sie anfänglich an die Charaktereigenschaft „Introversion“, doch je mehr sie dies mit ihrer anwachsenden Eigenschaftsliste sensibler Menschen verglich, desto mehr zeigte sich, dass Sensibilität und Introversion nicht Hand in Hand gehen.

Es gibt auch hochsensible Menschen (etwa 30%), sogenannte High Sensation Seekers, die sich nicht nur als sehr sensibel empfinden, sondern auch als extravertiert. Das führte zu Arons Entdeckung, dass Sensibilität in einem gesunden Charakter eine eigenständige Eigenschaft ist (3). Aus ihren Studien geht hervor, dass 15-20% der gesamten Bevölkerung über diese Art der Reizaufnahme verfügen und dass dieser Wesenszug vererbt ist. (4)

Hochsensibilität lässt sich laut Elaine Aron anhand der folgenden 4 Merkmale feststellen:

1 | GRÜNDLICHE VERARBEITUNG VON INFORMATION

2 | RASCHE ÜBERERREGBARKEIT

3 | EMOTIONALE INTENSITÄT

4 | SENSORISCHE EMPFINDLICHKEIT

 

Um abzuklären, ob eine Person hochsensibel ist, hat Aron einen psychologischen Test mit 23 Fragen ausgearbeitet (du findest ihn hier) – viele weitere Fragebögen basieren auf diesem Test. Weiters hat sie in ihrem Buch ‚Das hochsensible Kind‘ einen Test zusammengestellt, anhand dessen  Eltern die Hochsensibilität ihres Kindes abklären können (du findest ihn hier).

Kritisch hinzufügen möchte ich, dass viele sich aufgrund dieser Selbsteinschätzungstests nicht als hochsensibel erkennen bzw. eher extrovertierte Menschen sozusagen durch den Rost fallen. Daher empfehle ich im Zweifelsfall ein kurzes Orientierungsgespräch.

In vielen Texten über Hochsensiblität werden Abkürzungen verwendet und auch im deutschsprachigen Raum haben sich die Kürzel HSP (für „hochsensible Person“ oder „hochsensitive Person“), ursprünglich aus dem Englischen für Highly Sensitive Person“ und HSK (für „hochsensibles Kind„) etabliert.

Wenn du dich zum Thema Hochsensibilität im Familienalltag austauschen möchtest, gibt es dazu mehrere Möglichkeiten:

  1. Monatliche Offline-Treffen in Wien:   offene Eltern-Gesprächsrunden
  2. Regelmässige Online-Gesprächsraum: Hochsensibilität & Hochbegabung im Familienalltag
  3. Geschlossene Facebook-Gruppe

Nutze die Möglichkeit dich mit anderen Eltern auszutauschen, Erfahrungen weiterzugeben und die Herausforderungen im Familienalltag unter Gleichgesinnten  zu besprechen!


 

7 Gedanken zu “Was ist Hochsensibilität

  1. Pingback: Hochsensibel oder hochsensitiv? Ist das nicht das Gleiche? | hochsensibilität in der familie

  2. Hochsensible Menschen verfügen über „außergewöhnliche Fähigkeiten“. Unsere ganze Familie (Großeltern, Eltern, wir Eltern und unsere 3 Kinder) sind hochsensibel.
    Unter „außergewöhnliche Fähigkeiten“ verstehen wir: wissen was der andere denkt, Energien sehen, die für viele andere nicht Sichtbar sind…Telepathy, verstorbene Personen sehen, meinen Sohn und mir wurde die Gabe andere zu heilen in die Wiege gelegt (nicht durch Kurse oder dergl.), mein Mann weiß Dinge, Erlebnisse,… über Personen, die nur die eine Person weiß uns sonst niemand, wirklich niemand wissen kann,… um jetzt nur einige aufzuzählen. Jeder hochsensible wie ihr es nennt, verfügt über eine oder vielleicht auch einige mehr, dieser besonderen Fähigkeiten. Leider trägt das ständige Fernsehen, Computerspielen, die neuen Medien zu einem großen Teil dazu bei, dass sich diese Fähigkeiten nicht richtig entfalten können oder gar tief im Innern „verschwinden“. Unser Welt braucht solche Leute, die der Menschheit helfen, um wieder zu sich selber zu finden, da die meisten Menschen sich selber schon sehr fremd geworden sind. Ein weiterer Grund ist, dass ein Großteil der hochsensiblen Menschen, sich für die Rettung unserer Erde einsetzen und intuitiv wissen, was zu tun ist. In diesem Dilemma wo wir uns jetzt befinden braucht die Welt hochsensible Menschen, darum werden wir immer mehr…

    Alles Liebe wünschen euch Karin und Thomas

    Gefällt 2 Personen

    • Sehr schön zu lesen, wie selbstverständlich ihr die Hochsensibilität mit all ihren wunderbaren Facetten lebt! Das wäre das Ideal für alle, die in der einen oder anderen Form hochsensibel, hochsensitiv oder einfach aussergewöhnlich normal sind 🙂 Danke für euren Kommentar! Liebe Grüsse, Tina

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