7 Tipps über den Umgang mit Hochsensibilität – Teil 1

tipps zum umgang mit hochsensibilitätDer Umgang mit einem Wesenszug, der nur ca. 20% der Bevölkerung betrifft, erscheint oft genug eher als mühsam und herausfordernd und nicht so sehr als angenehm und bereichernd. Worin genau unterscheidet man sich von den restlichen 80% und was soll man tun um sein Leben möglichst „Hochsensiblen-gerecht“ zu leben?  Hier dazu ein paar Tipps und Anregungen.

Vielleicht beschäftigst du dich schon länger mit dem Thema Hochsensibilität und hast bereits einigermaßen deinen Weg gefunden. Oder aber du hast erst kürzlich herausgefunden, daß du hochsensibel bist und mußt dich mit dieser neuen Erkenntnis erst arrangieren. Egal wielange dich das Wissen über Hochsensibilität schon begleitet, es gibt wahrscheinlich immer Situationen, wo du dir wünscht, doch einfach so zu sein „wie alle anderen“. In unseren Gesprächsrunden kennen vor allem viele Mütter das Gefühl, einfach nichts auf die Reihe zu kriegen – im Vergleich mit dem Tagesprogramm, das andere Mütter mit ihren Kindern scheinbar in müheloser Leichtigkeit absolvieren, kommen sich viele wie Versager vor. Viele hochsensible Männer realisieren erst mit dem Vater-werden, wieviel Zeit sie davor, vielleicht unbewußt, für Regeneration und Ausgleich aufwänden konnten.  Da verwundert es kaum, daß sich viele Hochsensible ziemlich gestresst und unter Druck gesetzt fühlen und dies in einem höheren Ausmaß als es Normalsensible tun.

Hochsensibilität in den Alltag integrieren

Viele hochsensible Personen, die noch nicht darüber Bescheid wissen, erleben sich im Alltag als unzulänglich und nicht gut genug. Es ist wahrscheinlich eine große Erleichterung für jeden hochsensiblen Menschen zu wissen, daß es Hochsensiblität ist, das einen so grundsätzlich von den vielen anderen Menschen unterscheidet.  Aber allein das intellektuelle Wissen darüber hilft dir noch nicht wirklich, um mit dieser Eigenschaft gut zu leben. Erst wenn du Hochsensibilität in den Alltag integriert hast, kann sie sich von Bürde in Erleichterung wandeln. Was also solltest du tun, um diese Integration zu fördern? Welche Maßnahmen werden jeder hochsensiblen Person angeraten?

Tipp 1 – Akzeptiere den Wesenszug Hochsensibilität!

Einer der wohl wichtigsten der 7 Tipps – hör auf, dich mit anderen, vor allem mit nicht hochsensiblen Personen zu vergleichen. Nimm wahr, daß es 80% sind, die normalsensibel sind und wenig von Hochsensibilität wissen. Sie werden womöglich auch nicht verstehen, worüber du genau sprichst, wenn du es ihnen erklärst und solange es nicht wirklich notwendig ist, ist es sogar von Vorteil es nicht an die große Glocke zu hängen. Wann es Zeit wird das Thema innerhalb der Familie und dem kindlichen Umfeld zu besprechen, kannst du hier nachlesen. Versuche auf jeden Fall mit dem Wesenszug zu leben und nicht dagegen!

Tipp 2 – Ändere deinen Lebensstil!

Hochsensible Personen sind anders als normalsensible – nicht besser oder schlechter, aber definitiv anders. Es werden über den Tag verteilt vielmehr Reize aufgenommen und diese werden viel verschachtelter und komplizierter „abgelegt“ als von Normalsensiblen. Wenn du Mama oder Papa bist, dienen dir deine Kinder zusätzlich zum hektischen Alltag noch als Spiegel, und bringen vielleicht ungelöste Konflikte deiner eigenen Kindheit wieder hervor. Dies alles bringt deinen Körper dazu, den Status der Überreizung viel schneller zu erreichen als erwünscht und es erscheint daher nur logisch, daß du auch den Lebensstil entsprechend anpassen solltest.

Tägliche Auszeiten

Idealerweise solltest du dir möglichst jeden Tag ein paar Stunden Auszeit gönnen. Zeit, in der du nichts Großartiges machst, Tätigkeiten, die nicht viel Energie benötigen, wo du aber die immense Reizaufnahme wieder aus deinem System bekommst – sozusagen die Gedanken ‚verdaust‘.  Abwaschen, Socken sortieren, Mandalas ausmalen etc – Tätigkeiten, die nicht deine ganze Aufmerksamkeit benötigen, was auch immer das für dich ist. Dieser Rat scheint auf den ersten Blick etwas unrealistisch zu sein, vor allem wenn du als Kleinfamilie oder Alleinerziehende lebst und weder Großeltern noch Verwandte als Unterstützung hast. Der Vorteil dabei ist allerdings, daß sich bei einem freien Kopf gute Ideen wie von selbst einstellen (und dies gilt für normalsensible Personen genauso) und man so auf der anderen Seite wieder produktiver und effektiver arbeiten kann.

Viel Zeit im Bett verbringen 🙂

Elaine N. Aron sagt in einem ihrer Interviews, daß es in der heutigen Zeit, wo sich die Werbung und die extreme Informationsflut in alle Bereiche unseres Lebens einschleicht, unbedingt nötig ist, die Reizaufnahme zu unterbrechen. Rund 80% dieser Reizaufnahme passiert über die Augen; egal wo man hinsieht, sei es in der Straßenbahn, der U-Bahn, sogar die Trennleiste an der Supermarktkasse oder auch bei (Werbe-)Beiträgen, die man am Smartphone liest – überall ist das Auge gezwungen, oft sinnlose Information aufzunehmen und zu verarbeiten. Daher ihr Rat täglich mind. 8 Stunden im Bett zu sein – die Reizaufnahme zu stoppen. Wenn man diese 8 Stunden nicht komplett schlafen kann, sollte man zumindest die Augen schließen. Der wohlgemeinte Tipp, etwas zu lesen, wenn man nicht schlafen kann, sei für Hochsensible nicht sehr ratsam.

1 Tag pro Woche ‚frei‘ nehmen

Dieser Tag sollte für nichts Bestimmtes genutzt werden, kein Vollstopfen mit Terminen, die sonst nicht reinpassen, sondern ein ‚fauler‘ Tag für langes Ausschlafen und Dinge, die man gerne tut. Für Hochsensible, die in der Woche 40 Stunden arbeiten und das Wochenende für Erledigungen nützen, wird dies nicht leicht sein – genausowenig für Eltern, die Frühaufsteher oder schulpflichtige Kinder haben. Allerdings kann es ja auch so interpretiert werden, daß zumindest das Wochenende nicht voll verplant wird und man sich hier die notwendige ‚lazy time‘ holt.

Nein-Sagen

Wir tun oft Dinge, die für Normalsensible problemlos zu schaffen sind, die wir aber, wenn wir bereits die Komfortzone verlassen haben, nicht mehr bewältigen können –  aber wir schaffen es nicht, NEIN zu sagen. Vielleicht sind wir „zu nett“, „zu hilfsbereit“ dazu, oder wir spüren, daß es dem anderen Menschen wirklich wichtig ist und übergehen unsere eigene Grenzen. Wenn dies bei dir zutrifft, hilft es dir darüber nachzudenken, daß niemand außer dir selbst sagen kann, wann es für dich genug ist.  Es ist ein Lernprozess, sich selbst wichtig genug zu nehmen und klare Grenzen aufzuzeigen.

Nutze dein soziales Netzwerk

Situationen, die einem alleine zu mühsam erscheinen, gelingen besser und leichter, wenn man sie in Gesellschaft von anderen erlebt. Vor allem normalsensible Freunde haben hier den großen Pluspunkt, daß sie ihre Toleranzgrenze erst viel später erreichen und „mehr aushalten“. Im Gegenzug schätzen viele die besonderen Eigenschaften von Hochsensiblen – es ergibt sich also eine win-win Situation.

Tipp 3 – Triff dich mit Gleichgesinnten!

Jeder Mensch fühlt sich gut, wenn er gesehen und so wie er ist akzeptiert wird. Sich als hochsensible Person in einer Gruppe von hochsensiblen Menschen mit dem Thema auseinanderzusetzen hat eine ganz andere Qualität, als sich alleine mit dem Thema zu befassen.  Daher nutze die Chancen, die sich bieten um dich mit Gleichgesinnten zu treffen.

Mit diesem letzten Punkt des 1. Teils möchte ich gleich auf unsere offenen Eltern-Gesprächsrunden hinweisen, die einmal im Monat in Wien stattfinden. Hier kommen Menschen zusammen, die sich in verschiedenen Stadien der Integration von Hochsensibilität befinden und wertvolle Tipps und praxisnahe Empfehlungen haben oder einfach nur ein Ohr für deine Anliegen bieten 🙂 Alle weiteren Termine und Gelegenheiten zum Austausch findest du hier.

Wo befindest du dich gerade? Bist du bereits Experte beim Thema Hochsensibilität, gerade erst darauf gestoßen oder vermutest du, daß es jemand in deinem Bekanntenkreis sein könnte? Hier ist der Link zum Test und hier geht’s zum Teil 2.

 

 


Quellen: div. Interviews mit Elaine N. Aron ¦ Rolf Sellin: Wenn die Haut zu dünn ist: Hochsensibilität – vom Manko zum Plus

© Bild: Uschi Dreiucker pixelio.de

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