So ein Stress!

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Alltag ohne das Wort „Stress“ ist kaum vorstellbar. Wir verwenden Sätze wie: „Die Kinder machen Stress!“ „Ich stehe sehr unter Stress!“ „Es ist gerade sehr stressig!“ „Der Stress macht mich noch wahnsinnig!“ „Stress lass nach!“ „Ich bin gestresst.“

Stress ist ein viel gebrauchtes Wort in unserer Alltagssprache; selbst unsere Kinder verwenden es bereits! Und bei digitalen Nachrichten machen wir keinen Halt, die anderen von unserer momentanen Belastung via gestressten Emojis zu informieren:

😰  😓  😤  😩  😫  😡  😠

Noch vor 50 Jahren war das anders – kaum jemand kannte dieses Wort. Heute unvorstellbar, was auch 1999 die Sammlung einer Jury zeigte, die 100 Wörter suchte, die für das 20. Jahrhundert besonders bezeichnend waren. Alphabetisch zwischen Sterbehilfe und Terrorismus eingebettet findet sich „Stress“!

Stress wird als große Belastung wahrgenommen

Er verursacht Kopfschmerzen, lässt das Herz schneller schlagen und drückt auf den Magen. Was verbirgt sich nun hinter diesem großen Wort, das nur allzu oft unsere Lebensqualität mindert, uns gereizt und ungehalten macht?

Laut Definition entsteht ein unangenehmes Stressempfinden, wenn Anforderungen subjektiv als zu hoch empfunden werden und zu lange andauern. Wann immer wir von Stress sprechen, meinen wir den negativen Stress mit all seinen negativen körperlichen Reaktionen und der psychischen Anspannung. Die Fachliteratur verwendet den lateinischen Begriff „Disstress“.

Stress bezeichnet also einen Zustand – das bedeutet, dass die individuelle Bewertung durch uns den Stress auslöst und nicht wie man meinen könnte, die Situation selbst.

Die Summe der alltäglichen Widrigkeiten

Die heutige Stressforschung geht davon aus, dass die kleinen, alltäglichen Ärgernisse und Widrigkeiten („daily hassels“) unsere größten Stressauslöser sind. Diese sogenannten Ministressoren haben für die Gesamtbelastung manchmal eine größere Bedeutung als einzelne kritische Lebensereignisse. Unsere Stressoren sind also belastende und störende Ereignisse im Alltag.

Die Qualität unseres Alltags wird weitgehend von unserem Umgang mit diesen unangenehmen Mini-Ereignissen geprägt, d.h. bei einer hohen Ärgerbereitschaft wird die kaputte Waschmaschine subjektiv zu einem großen Problem.

Hochsensible und Stress

Hochsensibilität bedeutet eine gesteigerte Sensibilität in Bezug auf die Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen. Im Falle störender Reize stoßen Hochsensible in der Regel früh an ihre Belastungsgrenzen.

Nimmt man nun diesen Ansatz der Stressforschung und stellt ihn der täglichen Reizüberflutung von hochsensiblen Personen gegenüber, so bekommen wir ein klares Bild. Die ständige Wiederholung von Kleinstereignissen und die wiederkehrenden kleinen seelischen Verletzungen führen zu unseren empfindlichsten Stellen.

Es liegt auf der Hand, dass hochsensible Familien, die im Alltag viel Stress erfahren und diesem Stress nicht lösungsorientiert begegnen können, hoch belastet sind.

Dieser Dauerstress hat massive Folgen auf unsere körperliche und seelische Gesundheit.

Wie werde ich mit Stress fertig? Was tut mir gut?

Ein Leben ohne Stress ist leider nicht möglich. Daher ist es besser ich mache mir aktiv Gedanken über meine persönlichen Stressfaktoren. Was sind die Ursachen meiner Anspannung? Wie kann ich die Situation verändern? Was stresst mich wirklich? Was belastet mich?

Mittlerweile gibt es unzählige Bücher über Stressmanagement und viele hilfreiche Tipps zur Stressbewältigung. Doch was tut mir gut? Aus der Vielzahl des Angebotes gilt es mein individuelles lösungsorientiertes Programm zur Stressbewältigung herauszuarbeiten.

Was immer es ist, eines ist jedenfalls sicher: So wie es die vielen kleinen Alltagswidrigkeiten sind, die in Summe den Alltag belasten und einschränken, so können es auch die kleinen, erfreulichen Alltagsmomente sein, die die Tage wieder lebenswert und entlastend machen („daily uplifts“).

Ein Ziel ist es also, diese Mikro-Momente zu schaffen, in denen wir positive Emotionen empfinden.

Wenn ich meinem Stress kompetent begegne, dann verändert sich auch mein Umgang damit. In diesem Sinne möchte ich euch einen  mit auf dem Weg geben:

„Geh deinen Weg ruhig inmitten von Lärm und Hast und wisse, welchen Freiden die Stille schenken mag.“

Irischer Segenswunsch

 


Quelle: Lexikon der Psychologie / www.gesundheit.gv.at / N. Schneider (Hrsg.): Tagungsband „Die Vielfalt der Familie“ / www.zeitblueten.com / gesundheits-lexikon.com / Stressmodell von Lazarus / www.forumgesundheit.at

Foto: © Ewald Kutzenberger, Serie Zen, 2014

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